DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE

Eine Tragikomödie des großen Geschichtenerzählers Wolfgang Becker. Ein würdiger Abschiedsfilm.

Am Samstag, 24.1.2026 um 19 Uhr im Elbkino Lauenburg.

Am frühen Morgen des 23. Juni 1984 kam es durch eine einzige falsch gestellte Weiche im Berliner Streckennetz zu einer Massenflucht aus der DDR, bei der 127 Fahrgäste aus dem Ostteil der Stadt in den Westen geleitet wurden. Fast genau 35 Jahre später erhält Micha Hartung (Charly Hübner), Inhaber der Videothek „The Last Tycoon“ im Prenzlauer Berg, Besuch von einem Redakteur des „Fakt“-Magazins. Bei Recherchen für eine Sonderausgabe zum dreißigsten Jahrestag des Mauerfalls hat Alexander Landmann (Leon Ullrich) herausgefunden, dass Micha, damals noch stellvertretender Stellwerkmeister am Bahnhof Friedrichstraße, als Fluchthelfer und womöglich Mastermind der Aktion verhaftet wurde.

Micha erinnert sich an das Stasi-Verhör, bei dem man ihm eingeschärft hatte, niemals ein Wort über die wahren Ereignisse zu verlieren. Er weicht Landmanns Fragen aus, bis sich dieser von einer Premium-Mitgliedschaft überzeugen lässt und dafür eine großzügige Anzahlung leistet. So wie Micha angesichts seines wachsenden Schuldenbergs jeden Cent nötig hat, braucht Alexander Landmann dringend einen Karrierebooster. Bei der Präsentation von Michas Heldengeschichte in der Redaktionskonferenz wittert sein Chef (Arnd Klawitter) prompt den ganz großen Coup. Schon die nächste Ausgabe erscheint mit einer Titelstory, wie man sie sich nicht ausdenken kann – oder eben doch.

Michas Tochter Natalie (Leonie Benesch) ist überrascht von der darin beschriebenen, bislang unbekannten Seite ihres Vaters, den sie immer für still und wenig zielstrebig gehalten hatte. In seiner Nachbarin Beate (Eva Löbau) regen sich alte Gefühle, als sie Micha einen ergreifenden Absatz vorliest, der seine Zeit in einer fensterlosen Gefängniszelle beschreibt, in der ihm allein eine Spinne an der Wand Hoffnung geschenkt hätte. Als sich vor der Videothek eine Pressemeute versammelt und nach dem Spinnenflüsterer ruft, sucht dieser, empört über die Verdrehung der Fakten, den Schreiberling auf. Der droht mit juristischen Konsequenzen, sollte Micha nun einen Rückzieher machen, außerdem seien auch falsche Tatsachen in zwei Wochen Schnee von gestern.

Aufgrund des weiterhin von Landmann befeuerten öffentlichen Interesses sitzt Micha schon bald in der Sendung „Mona am Abend“ neben Kati Witt persönlich auf dem Talksofa. Als würde sich in diesem Moment auch in seinem Inneren eine Art Weiche stellen, erklärt er vor laufender Kamera: Nicht das Politische, sondern die Liebe habe seine vermeintliche Heldentat motiviert. Genauer gesagt: seine Zuneigung zu einer Tänzerin, deren Broadway-Träume er wie ein Märchenprinz wahr werden lassen wollte. Das Publikum ist begeistert und zu Tränen gerührt, darunter auch die hinreißend charmante Staatsanwältin Paula Kurz (Christiane Paul), die noch in derselben Nacht mit ihrem Schneewittchensarg-Oldtimer-Volvo filmreif vor Michas Füßen parkt, um sich bei ihm zu bedanken. Paula gehörte zu den 127 Fahrgästen, denen er offenbar aus reiner Liebe den Weg in die Freiheit ermöglicht hatte.

Micha kann es kaum glauben, dass sich plötzlich eine so schöne, kluge und witzige Frau für ihn interessiert, aber ihre Vergangenheit scheint sie schicksalhaft miteinander zu verbinden.

Beim Essen mit dem Bundespräsidenten macht dieser Micha ein Angebot, das man nicht ausschlagen kann: Er soll am Mauerfall-Gedenktag eine Rede im Bundestag halten. Allerdings war dafür bereits der ostdeutsche Bürgerrechtler Harald Wischnewsky (Thorsten Merten) vorgesehen, der nicht bereit dazu ist, sich nach jahrelangem Kampf für die Wahrheit als Vorsitzender der „Stiftung gegen das Vergessen“ einfach so ausladen zu lassen – schon gar nicht, nachdem ihm Holger Röslein (Dirk Martens) vom „Dokumentationszentrum Unrechtsstaat DDR“ die Stasi-Akte „Totes Gleis“ präsentiert.

Während Röslein und Wischnewsky einen Faktencheck unternehmen und sich gleichzeitig der BND vor Michas großem Auftritt an seine Fersen heftet, droht nicht nur die sich anbahnende Liebesgeschichte, sondern das gesamte Leben des Helden aus den Fugen zu geraten. Wird Micha es schaffen, alles noch zum Guten zu wenden?

Pressestimmen:
„Charly Hübner spielt das großartig: Sein Micha ist ein Mann mit Nuancen, einerseits der bärige Verlierer, der seine Tage im Bademantel verbringt, (…) andererseits sich der jeweiligen Umgebung lebendig und geschickt anpassen kann.“
taz

„’Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße’ setzt sich unterhaltsam mit der kollektiven Erinnerungskultur an das einst geteilte Deutschland auseinander und der Frage, wie wir Geschichte wahrnehmen.“
FAZ 

„Die märchenhafte Aura, die über dieser herzerwärmenden Komödie liegt, hat auch etwas mit dem All-Star-Ensemble aus Becker-Schützlingen zu tun, die wie Daniel Brühl und Jürgen Vogel ihrem alten Mentor zu Ehren in Nebenrollen auftreten.“
Tagesspiegel

„Ein sehr würdiger Abschiedsfilm, der bei allem Humor auch anrührt, weil sich damit ein Kapitel deutscher Filmgeschichte schließt. Mit einem sehr witzigen Kurzauftritt von ihm selbst als ausgedientem Stasispitzel.“
NDR

Produktion: Deutschland 2025
Regie: Wolfgang Becker
Darsteller:
Charly Hübner, Christiane Paul, Leon Ullrich, Leonie Benesch, Thorsten Merten, Peter Kurth, Daniel Brühl, JürgenVogel, Eva Löbau, Leslie Malton, Katarina Witt
Länge: 113 Min
FSK: ab 6

Vorstellung:
Samstag, 24.1.26 um 19.00 Uhr
(Einlass 18.30)
Eintritt: 8 € /erm. 6 €
(nur bar, keine Reservierungen)